Strukturvertriebe sind Organisationen, welche über einen stark hierarchischen Aufbau über- und unterstellter Vermittler verfügt. Die "Ober"-Vermittler verdienen an den jeweils unterstellten Vermittlern in der Regel mit. Damit wird ein hohes Interesse erzeugt, ständig neue Mitarbeiter anzuwerben.
Strukturvertriebe spezialisieren sich meist auf schnell und einfach zu vermittelndes Geschäft ohne Rücksicht auf den tatsächlichen Bedarf ihrer Zielgruppe. Vertragsrechtlich gesehen sind es meist Mehrfachagenten, selten Einfirmenvertreter und noch seltener Makler, trotzdem bezeichnen sich viele als unabhängig.
Die Wirtschaftswoche vom 10.02.2010:
"Interne Unterlagen zeigen fragwürdige Methoden zur Kundenwerbung. Verbraucherschützer hält das Vorgehen für "Datenschutzrechtlich bedenklich".
"Bei Strukturvertrieben heuert jeder Berater neue Mitarbeiter an, an denen er dann als ihr Vorgesetzter mitverdient. Die WirtschaftsWoche zeigt anhand von internen Schulungsunterlagen der OVB in Köln, wie Vermittler psychisch und finanziell unter Druck gesetzt werden. Die OVB weist Vorwürfe zurück, dass sie dabei teils ungesetzliche Methoden einsetzt".
"Die Führungskräfte drängen die Newcomer zu Verkaufsgesprächen mit Angehörigen, Freunden und Arbeitskollegen. Diese müssen neue Kontaktempfehlungen geben: für Kundentermine oder zur Rekrutierung neuer Berater. Nach den Schulungsunterlagen sollen die OVBler beim Erstkontakt verschleiern, dass sie Finanzprodukte vermitteln wollen."
SPIEGEL-Online am 04. März 2011:
"Der Finanzvermittler AWD hat unter Carsten Maschmeyer seinen Kunden in bisher nicht bekanntem Ausmaß riskante Finanzprodukte verkauft, für die er gleichzeitig die höchsten Provisionen kassiert hat. So hat der Bereich 'Immobilien/steueroptimierte Anlagen' in einem Jahr mit 31 Prozent so viel Umsatz gebracht wie kein anderer Bereich im AWD-Konzern."
Dabei wurden in diesem Bereich neben Immobilien vor allem geschlossene Fonds verkauft, die Anleger in dieser Form in vielen europäischen Ländern gar nicht kaufen können. So hat der AWD rund 47.000 Kunden allein in die verlustreichen Dreiländerfonds und die IMF-Medienfonds vermittelt."
"Interne AWD-Unterlagen zeigen, dass den Anlegern dabei hohe Renditen versprochen wurden. Dorothea Mohn vom Bundesverband der Verbraucherzentralen kritisiert: 'Das Gros der Bevölkerung kann weder die Risiken einschätzen noch kontrollieren, ob die Versprechungen überhaupt eingehalten werden.'
Dennoch vermittelte der AWD geschlossene Fonds ledigen Kunden bereits ab einem Nettoeinkommen von 1.450 Euro im Monat, bei Verheirateten lag die Grenze bei 1.850 Euro. Für den AWD waren die Produkte des Bereichs 'Immobilien/steueroptimierte Anlagen' besonders lukrativ:
Während das Unternehmen bei der Vermittlung einer Lebens- oder Krankenversicherung im Schnitt rund 275 Euro Gewinn machte, waren es bei der Vermittlung dieser Produkte 1.120 Euro."
Die Berichte sprechen für sich - Kommentar überflüssig